Dietmar`s Koffer

Als wir nach einem langem Flug endlich im Cancun ankamen, war unsere Reisegruppe noch nicht angekommen. Wir hatten geplant, uns nach getrennten Flügen im Flughafen Cancun zu treffen, um dann gemeinsam zum Hotel auf der Isla Mujeres zu fahren und dort unsere Tour durch Mexiko, Guatemala, Belize und Honduras zu beginnen. Endlich war das Flugzeug angekommen und die ersten Mitglieder unserer Gruppe durch den Zoll gekommen. Nach einigem Warten fehlte nur noch unser Reiseleiter Michel und Dietmar. Der Grund für das lange Warten war das  Gepäckband, auf  das Dietmar in Erwartung seines Koffers starrte, leider ohne Erfolg. Wie immer in einem solchen Fall  war das zuständige Büro der Iberia schon geschlossen, man sagte uns, man solle morgen noch einmal vorbeikommen.

Was soll es, eine Nacht ohne Koffer ist halb so schlimm, sagte Dietmar und startete  frohgemut in den wohlverdienten Urlaub.

 

1. Tag:

Am nächsten Morgen wird erst einmal Waschzeug, Zahnpasta und Zahnbürste für die Morgentoilette gekauft und in einer Plastiktüte verstaut. Nach einem Anruf bei der Iberia weiß man noch nichts von Dietmar`s Koffer. Aber man wolle sich drum kümmern.
Dietmar kauft sich am Nachmittag eine neue Unterhose zum Wechseln. Auch ein Handtuch  wechselt seinen Besitzer. Hemd und Hose halten noch durch.  Bei der Abreise von der Insel am nächsten Morgen ist Dietmar froh, anstatt des schweren Koffers nur eine Plastiktüte tragen zu müssen.

 

2. Tag:

Beim Frühstück fragt jedermann Dietmar nach seinem Koffer, noch keine neuen Nachrichten. Wir sind den ganzen Tag auf Achse, bei einer Rast wird von einer Telefonzelle bei Iberia angerufen. Welcher Koffer? Der Sachbearbeiter sei heute nicht da, man möge sich morgen nochmals melden, man werde sich um alles kümmern. Dietmar freut sich noch immer über das leichte Reisegepäck und ist noch guten Mutes, daß Iberia  in Kürze alles regeln wird. Eine neue Mütze wird gekauft, um die sengenden Sonnenstrahlen abzuhalten.

 

3. Tag:

Nach der obligatorischen Frage beim Frühstück nach Dietmar`s Koffer geht die Reise weiter. Die Sonne brennt weiter, die dicke Herbsthose wird zu heiß. Dietmar ersteht in einem kleinem Souvenirladen ein Paar giftgrüne Shorts, Sonderangebot !! Die Plastiktüte füllt sich. Man ruft optimistisch bei Iberia an. Welch eine Freude, Iberia teilt mit, man habe den Koffer gesichtet, wisse aber nicht, wo er jetzt gerade sei. Man bleibe weiter am Ball, man kümmere sich darum. Michel teilt Iberia mit, dass wir am nächsten Tag nach Belize fahren wollen, kein Problem, man solle sich dann von dort nochmals melden. Dietmar meint, er müsse sich doch jetzt noch ein paar Wäschestücke anschaffen, das wolle er  dann morgen in Belize machen.

 

4.Tag:

Während die Mitreisenden sich beim gemeinsamen Frühstück gegenseitig nach dem Schlaf der vergangenen Nacht erkundigen, ertönt bei Dietmar nur die lapidare Frage: "Na Dietmar , wie geht  es Deinem Koffer, gibt`s was Neues ??"

Am frühen Nachmittag verlassen wir nach einer weiteren Besichtigung Mexiko und kommen nach Belize. Heute gibt es keine Neuigkeiten von Iberia.

Bei einem Stop kurz hinter der Grenze in Belize geht Dietmar auf Shoppingtour.  Nach kurzer Zeit ist er frischgebackener Besitzer von 3 neuen Unterhosen, Marke „großer Eingriff mit Baumwollripp", ein neues T-Shirt und ein paar Taschentücher füllen seine Plastiktüte. Auch ein paar Stümpfe haben einen neuen Besitzer gefunden.

 

5.Tag:

Heute wollen wir auf einer der vorgelagerten Inseln fahren, um hier 2 Tage zur Entspannung zu verbringen. Vor der Abfahrt der obligatorische Anruf bei Iberia. Welch eine Neuigkeit, man habe den Koffer in Miami gefunden, er werde wahrscheinlich am nächsten Tagen in Cancun ankommen. – aber , wir seien jetzt ja in Belize. Hat Belize denn überhaupt einen Flughafen, Iberia möchte nicht das Risiko eingehen, den jetzt entdeckten Koffer auf eine Reise in das Ungewisse ( sprich Belize City ) zu schicken. Es wäre dann doch besser, den Koffer auf sicherem Weg nach Guatemala zu schicken. Aber, dort werden wir auf unserem Rundreisetrip erst in 4 Tagen sein. Iberia will auf Nummer Sicher gehen. Also in Guatemala in 4 Tagen. Dietmar weiß, was das bedeutet. Er muss noch 4 Tage aus der Tüte leben. Also ist erneutes Shopping angesagt.

In Belize City findet er ein paar neue Sandalen, ein paar neue T-Shirts. Für mehr reicht die Zeit nicht, Dietmar  muß auf `s Boot.
Auf Cay Caulker angekommen, hat er genug Zeit, sein Outfit zu verbessern. Nach kurzer Zeit ziert eine grün gepunktete Badehose seinen Unterkörper – Sonderangebot.
Da die Plastiktüte jetzt schon überquillt und die Trageschlaufen fast ausreißen, ersteht er einen kleinen Rucksack in schreiend grüner Farbe, muss wohl auch ein Sonderangebot gewesen sein. Aber von seiner Plastiktüte möchte er sich auch noch nicht trennen. Hier kann er ja die Schmutzwäsche ablegen.

 

9.Tag:

Heute ist Dietmar`s großer Auftritt. Nach den morgendlichen Begrüßung : Na, was macht Dein Koffer" bekommt er langsam Oberwasser: Nach den obligatorischen Besichtigungen fahren wir  am Nachmittag alle gemeinsam zum Flughafen in Guatemala City. Wir wollen alle dabei sein, wenn Dietmar endlich den langersehnten Koffer erhält.  Am Flughafen angekommen, steigen alle aus, um uns nach dem Iberia - Office zu erkundigen.

Auf der Suche bleiben fast alle bei den verlockenden Shops im Flughafengebäude mit ihren farbenfrohen Auslagen hängen, wir verlieren Dietmar aus den Augen. Nach einiger Zeit wird uns bewusst , dass wir ja wegen Dietmar`s Koffer hier sind, aber wo ist Dietmar ????

Im Gebäude durchkämmen wir alle Etagen, auch das Office der Iberia. Keine Spur von Koffer oder Dietmar. So gehen wir langsam zu dem Bus zurück: Wer steht denn da einsam vor dem abgesperrten Bus: Dietmar ... mit seinem Koffer, keiner war zur Begrüßung des Koffers da.....

 

11.Tag:

Dietmar hat ein Problem: er hat nicht genug Hände, um all seine Sachen zu tragen: Koffer, 2 Plastiktüten, ein kleiner Rucksack, seine Fototasche....

aber ... Dietmar`s Urlaub beginnt.

chichi  

Markt in Chichicastenango

 

Alles was er hatte war eine.. Hängematte