Living for my soul

Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal nach Bali kam, war ich mit einer Truppe von 0/8/15 Touristen unterwegs, die sich nur auf  von Tausenden von gleichartigen Touristen zuvor ausgetretenen Pfaden zu bewegen wagten. Nur keinen Blick über den vom routinierten Reiseleiter präsentierten Tellerrand heraus..., man weiß ja nie, wie sich diese Asiaten den weißen Langnasen gegenüber verhalten. Nach einigen Tagen hinterherlaufen hinter diesen Üblichtouristen hatte ich die Nase voll. Ich wollte abseits der Straßen das wahre Bali kennenlernen. So teilte ich meinem Reiseleiter mit, ich könnte wegen eines Brechdurchfalls nicht an dem geplanten "Ausritt" teilnehmen. Nachdem die Truppe abgefahren war, ging ich aus dem Hotelghetto raus in das  nächste Dorf. Dort handelte ich mit einem ortsansässigen Autoverleiher einen guten Preis für  einen roten Suzuki-Jeep aus, mein Werkzeug für DM 35 pro Tag für meine neuen Entdeckungen in einem für mich damals unbekannten Land. Mit einem zugegebenermaßen etwas lauen Gefühl im Magen setzte ich mich hinter das Lenkrad (auf der rechten Seite) und begann meinen Trip in eine für mich neue Welt.

Nach einigen Kilometern hatte ich mich an das neue Auto und das Linksfahren gewöhnt und fühlte mich in dieser neuen Welt richtig wohl. Zuerst fuhr die Hauptstraße in Richtung Norden, dann verließ ich diese, um über kleinere Nebenstraßen nach Ubud, dem Künstlerdorf zu fahren. Als ich durch einen kleinen Ort kam, in dem überwiegend Holzschnitzer leben, sah ich eine kleine Prozession von Frauen, welche auf Ihren Köpfen Opfergaben aus Obst, und Reis trugen, dahinter ein Gamelan-Orchester, welches die unnachahmliche balinesische Musik spielte. Durch soviel  Neues angelockt, hielt ich an und parkte meinen Wagen am Straßenrand. In gebührenden "Schüchternsheitsabstand" folgte ich der kleinen Prozession, bis sie in einer der kleinen Gassen in einem Eingang zu einem balinesischem Haus verschwand. Nachdem ich etwas Mut gefasst hatte, schaute ich ganz vorsichtig zunächst über die Mauer des Hauses, in dem die Zeremonie stattfand.

Viele ältere Frauen saßen auf dem Boden und bereiteten Opfergaben zu, andere saßen einfach nur da, tranken Tee und unterhielten sich. In einer anderen Ecke saßen die Männer in ihren vornehmen Sarongs und unterhielten sich angeregt. Im Hintergrund saß das Gamelanorchester und spielte mit Inbrunst. Später schaute ich dann von mehr Neugierde und Mut getrieben durch den Toreingang des Hauses, um das für mich damals fremde Treiben noch besser sehen zu können.

Plötzlich stand ein Mann in der Menge, kam etwas auf mich zu und winkte mich zu sich. Noch etwas verschüchtert und zögernd, weil ich nicht die Zeremonie stören wollte, ging ich auf dem Mann zu, von dem ich später erfuhr, dass er der Besitzer des Hauses, Mr. Gantas war. Damit begann eine jahrelange, ich möchte sagen, Freundschaft mit einem Mann, der mich viel von Bali und dem balinesischen Hinduismus lehrte und mich in seiner Art sehr beeindruckte, vielleicht auch mein Leben verändert hat. Da er recht gut englisch sprach, war eine gute Verständigung möglich. Den Rest des Tages verbrachte ich in dem Haus der balinesichen Familie, ein Tag, der mein Leben retrospektiv betrachtet, sehr beeinflusste.

Einen Satz von Mr. Gantas werde ich wohl nie vergessen:

Most people are living for Dollars, I`m living for my soul.

Am Abend fuhr ich nach wenigen Kilometern auf Bali`s Straßen aber mit vielen Kilometern der Erfahrung müde aber zufrieden in das Touristenbali zurück. Beim Abendessen hörte ich mir die Erlebnisse meiner Mittouristen an, sie bedauerten mich, dass ich wegen meiner "Unpässlichkeiten" soviel Schönes verpasst habe.

 

Opfergaben Balinesische Frauen tragen ihre Opfergaben zum Tempel.

Bei Mister Gantas

Mr. Gantas
Bratan-See Bratan-See im Norden Balis

Arbeit in den Reisfeldern

Die Reisfelder von Tegalalang

Tempelfest

Balinesische Kinder beim Tanz